Hittfelder Dorfrunde

Ehemals Hotel STADT HAMBURG, neben Scherenberger an der Kirche.

Dorfrunde: Die Kirche

Am heutigen Parkplatz direkt neben der Kirche befand sich früher ein schlichtes Fachwerkhaus mit dem späteren Hofnamen Scherenberger. Es war ursprünglich das erste Pfarrwitwenhaus in Hittfeld. Etwa 1780 wurde es vom Kirchenvorstand an privat verkauft und fortan als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.  Die Kirchenverwaltung erbaute erst im Jahr 1830 einen neuen Witwenwohnsitz am „Neuen Friedhof“, dort, wo jetzt das Haus der Gärtnerei Buschmann in der Lindhorster Straße steht. Georg Bahr war ein späterer Besitzer vom „Scherenberger-Haus”, der aber in den letzten Kriegstagen des Ersten Weltkrieges fiel. Seine Witwe veräußerte das Haus dann an den Kaufmann und Namensgeber Scherenberger, der hier seinen Konfektions- und Lebensmittelhandel bis zum Konkurs etwa 1930 betrieb.  Zwischenzeitlich betrieb hier auch Otto Buschmann ein Blumengeschäft. 

Dorfrunde: Die Schützenstraße

Die Tischlerei Stöver bestand seit 1864 und hatte ihren ursprünglichen Sitz zwischen Schule und der Hofstelle Trimöm, auf die der Betrieb später umzog. Die Herkunft des Hausnamens Trimöm ist nicht bekannt. Am 18.3.1896 brannte das von Stöver gepachtete Hofgebäude nieder. 1897 zog die Tischlerei in den damals errichteten Neubau, 1902 erhielt sie eine erste Dampfmaschine. Um 1909 erwarb Heinrich Stöver das Gebäude vom damaligen Besitzer, dem Pferdehändler Carl Bartens. In dem Zeitraum entstand vermutlich das Nachbargebäude, in dem sich bis zum Schluss die Tischlerei befand.  Rechts neben Trimöm stand früher die alte Meierei. In dem Gebäude wurde ab ca. 1830 eine Gastwirtschaft betrieben. Um 1910 befand sich auch noch eine Schlachterei in dem Gebäude. 1911 wurde die Gastwirtschaft saniert und an August Mohr verkauft. 

Dorfrunde: Hittfelder Schulstraße Ost

In südöstlicher Lage neben der Schule wurde 1853 ein Wohnhaus gebaut. Hier war die Tischlerei Heinrich Stöver ansässig, die 1908 unter dem Sohn Karl Stöver auf das rechts danebenliegende Grundstück umzog. Anfang der 1920er Jahre wurde in der ehemaligen Tischlerei ein Lebensmittelgeschäft von Karl Wille und später von dessen Schwiegersohn August Hagemann betrieben. In dem Gebäude waren ab den 1970er Jahren verschiedene Geschäfte untergebracht, 2017 wurde es abgerissen und wich dem heutigen Ärztehaus.  Der Schule gegenüber wurde 1885 ein Fachwerkbau errichtet, in dem ebenfalls ein Lebensmittelgeschäft untergebracht war. Dieses Gemischt- und Kolonialwarengeschäft wurde um 1890 von Kaufmann Friedrich Boitin gegründet und ab 1913 zuerst von Hermann Julius und später von Peter Bardowicks weiterbetrieben. Auch ein Fahrrad- und Motorradladen war rechts am Gebäude angeschlossen. Unter anderem wurde hier das von den Hittfeldern Willibald Meyer und Heinrich Rehbein im frühen 20. Jahrhundert konstruierte „Meybein“-Motorrad gebaut. Im Jahr 2006 wurde das zuletzt als Wohnhaus genutzte Gebäude abgerissen.

Dorfrunde: Gasthaus Meyer

Als Kirchenkote gehört diese Stelle mindestens seit 1195 zur gegenüberliegenden Kirche. Der Inhaber war einstmals Kirchenansager. Die Geschlechterfolge lässt sich hier bis 1593 nachweisen. Der Hausname Pagels ist vermutlich auf den einstigen Stelleninhaber Paulß um 1650 zurückzuführen und wird sich von Paul über Pawel zu Pagel entwickelt haben. Bereits 1667 hatte Pagels eine Gastwirtschaft betrieben, begünstigt durch die Lage am Kirchberg und der alten West-Ost-Verbindung von Stade nach Lüneburg, dem sogenannten Dethweg. 1851 wurde auf dem Grundstück ein neues Gebäude gebaut. Die Hittfelder Filiale der heutigen Sparkasse Harburg-Buxtehude – damals „Spar-, Leih- und Vorschuß-Casse“ – findet 1866 in diesem Haus ihren Ursprung. Hier regelten sonntags die Bürger aus Hittfeld und dem gesamten Kirchspiel vor und nach dem Kirchgang ihre finanziellen Geschäfte. In den 1960er Jahren machte sich die Gastwirtschaft „Zum Grizzly-Bären“ in diesem Haus einen Namen. Die Gaststätte wurde von der Familie Althoff betrieben, die in den Nebengebäuden ihre Zirkustiere unterbrachten. 

Dorfrunde: Maschener Kirchweg

Der Straßenname nimmt darauf Bezug, dass die Einwohner von Maschen früher diesen Weg nutzten, um zur Kirche nach Hittfeld zu gelangen. 1871 errichtete der Lüneburger Schlossermeister Jacob Albers hier einen roten Backsteinbau. Die rechte Gebäudehälfte diente als Wohntrakt, die linke als Schlosserei- und Kunstschmiede-Werkstatt. In der Etage darüber lagen Werkräume und ganz oben Wohnräume für die Gesellen. Noch heute zeugt der Original-Zaun vor dem Haus von der Schmiedekunst des Jacob Albers. Sein Sohn Wilhelm übernahm das Haus 1900 und erweiterte den Betrieb mit dem Bau von Brunnen und Zentralheizungen. Ab Anfang 1940 führte Karl Albers dieses Handwerk fort, musste jedoch bereits im Herbst 1940 den Betrieb wieder schließen, da er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die während des Zweiten Weltkrieges leerstehenden Werkräume wurden 1943 von der ausgebombten Kupferschmiede Carl Cöllen aus Hamburg bis 1947 angemietet. Anschließend pachtete der Sägeschleifer Walter Schmidt aus Hittfeld bis 1969 die oberen Werkräume.

Dorfrunde: Hittfelder Schulstraße West

In der Hittfelder Schulstraße waren bereits vor 100 Jahren viele Geschäfte angesiedelt. An der südöstlichen Ecke im Einmündungsbereich der Kirchstraße steht ein um 1879 erbaute Fachwerkhaus, in dem ab den 1880er Jahren zunächst der Kaufmann und Kolonialwarenhändler Adolph Nissen sein Geschäft hatte.  In den 1920er Jahren folgte darin eine Konfitüren- und Zigarrenhandlung, später betrieb die Familie Bergeest hier einen Lebensmittelhandel. Ab 1955 zog Feinkost Meyer ein. Danach führte die Familie Lehmbeck darin bis 1989 ihr Lebensmittelgeschäft. Dieses verlor mit dem Bau des ersten SPAR-Marktes in der Schützenstraße in den 1970er Jahren an Bedeutung. In der Folge wurde das Gebäude vielfältig weiter genutzt. So war von 1994 bis 2014 die heute in der Kirchstraße ansässige Buchhandlung Seevetal in den Geschäftsräumen eingemietet. Bei Bauarbeiten im Jahr 1955 wurde auf dem Grundstück ein alter Flachbrunnen entdeckt. In einem Meter Tiefe fand man Holzreste, Steinpackungen und Gefäßscherben, die auf das 13./14. Jahrhundert datiert wurden. Der Fund lässt auf eine Besiedelung am Auslauf des Kirchberges schon im Mittelalter schließen, was die hohe Bedeutung Hittfelds als Kirchspielort unterstreichen mag. 

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