Hittfelder Dorfrunde

Dorfrunde: Maschener Kirchweg

Der Straßenname nimmt darauf Bezug, dass die Einwohner von Maschen früher diesen Weg nutzten, um zur Kirche nach Hittfeld zu gelangen. 1871 errichtete der Lüneburger Schlossermeister Jacob Albers hier einen roten Backsteinbau. Die rechte Gebäudehälfte diente als Wohntrakt, die linke als Schlosserei- und Kunstschmiede-Werkstatt. In der Etage darüber lagen Werkräume und ganz oben Wohnräume für die Gesellen. Noch heute zeugt der Original-Zaun vor dem Haus von der Schmiedekunst des Jacob Albers. Sein Sohn Wilhelm übernahm das Haus 1900 und erweiterte den Betrieb mit dem Bau von Brunnen und Zentralheizungen. Ab Anfang 1940 führte Karl Albers dieses Handwerk fort, musste jedoch bereits im Herbst 1940 den Betrieb wieder schließen, da er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die während des Zweiten Weltkrieges leerstehenden Werkräume wurden 1943 von der ausgebombten Kupferschmiede Carl Cöllen aus Hamburg bis 1947 angemietet. Anschließend pachtete der Sägeschleifer Walter Schmidt aus Hittfeld bis 1969 die oberen Werkräume.

Dorfrunde: Kröger – Küsterhaus – Otter

Der Hof Stophs der Familie Kröger bestand aus dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude als reetgedecktes Fachwerkhaus, das 1733 von Hans Heitmann erbaut wurde. Der Hofname Stophs leitet sich von einem Christoph Meyer ab, der Ende des 16. Jahrhunderts den Hof bewirtschaftete. Im Haupthaus gab es eine große Diele mit offenem Herd, dem „Ding“, von dem der Rauch des Holz- oder Torffeuers durch das „Uhlenloch“ im Dach entweichen konnte und dabei unter dem Dach hängende Mettwürste und Schinken räucherte. Mit dem Bau der Bahnlinie von Harburg nach Bremen übernahm das 1874 von Johann Dietrich Kröger eröffnete Rollfuhrunternehmen den Post- und Rollfuhrverkehr in Hittfeld. Mit ein- oder zweispännig gezogenen Rollwagen wurden Waren der Hittfelder Geschäftsleute zur Bahn und zurück transportiert.  Insgesamt gab es auf dem „Post-Kröger“ Hof vor dem Ersten Weltkrieg drei Droschken, eine große Break und einen offenen Sommerwagen für Spazierfahrten und Hochzeitsgäste, die in der daneben liegenden Hittfelder St.-Mauritius Kirche getraut wurden. 

Dorfrunde: Die Schule

Bis 1867 wurden die Kinder ausschließlich im damaligen Küsterhaus am Kirchberg unterrichtet. Dort mangelte es an Platz und man baute etwas weiter südöstlich eine neue Schule. Diese Schule war schnell baufällig, sodass an derselben Stelle im November 1888 das heutige Gebäude eingeweiht wurde. Die Volksschule verfügte über drei Klassenräume sowie zwei Lehrerwohnungen in der ersten Etage und zwei weitere Wohnungen im Dachgeschoss. Der Unterricht begann ursprünglich in den kirchlichen Küsterschulen mit Beten, Lesen und Singen. Erst nach Grün-dung des Deutschen Kaiserreichs übernahm der Staat mit dem Schulaufsichtsgesetz von 1872 offiziell die Schulzuständigkeit, welche vorher in der Hand der Kirche lag. Im ländlichen Raum, wie eben in Hittfeld, fungierten aber Superintendenten und Pastoren noch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges weiterhin als Schulinspektoren. In den teils überfüllten Klassenräumen waren die hygienischen Zustände oft schlecht. Ein Schreiben an die königliche Regierung in Lüneburg 1891 enthielt die Bitte für die Anschaffung von Spucknäpfen in den Klassenräumen, welche damals etwa gegen Tuberkulose Verwendung fanden. Modernisierungen und bauliche Anpassungen sollten die Verhältnisse verbessern. 

Dorfrunde: Am Schillerplatz

Am Schillerplatz stand ein Bauernhaus, von dessen diversen Vorbesitzern die Familie Hoff hier eine Bäckerei betrieb. 1929 war das Gebäude so baufällig, dass es abgerissen und das jetzige Haus gebaut wurde. Links wurde eine Bäckerei und rechts ein Café eingerichtet.  Paul Lissewski, aus Ostpreußen kommend, pachtete im Jahr 1950 zunächst die Fleischerei Wiegers in Hittfeld in der Schützenstraße. 1951 betrieb Lissewski zusätzlich einen Marktstand in Harburg und 1952 wurde eine Filiale in der Harburger Hastedtstraße eröffnet. 1955 kaufte Paul -Lissewski die Hoff‘sche Bäckerei und baute sie zu einem Fleischereibetrieb um. Im Jahr 1969 übergab er das Geschäft an Sohn Fritz und Schwiegertochter Renate, die das Geschäft mit eigener Schlachtung bis 2007 weiter betrieben. Unter den vielen selbstgemachten Produkten konnte sich vor allem der Fleischsalat einen Namen machen. Später lieferte außerdem ein hauseigener Partyservice Suppen, Braten und Spanferkel an die Kunden. 1995 trat Claus Rupert als Meister in die Firma ein und wurde 2007 neuer Geschäftsinhaber der Fleischerei Lissewski. Die im November 2022 geschlossene Fleischerei war zuletzt der einzig verbliebene Fachbetrieb in ganz Seevetal, der alle Wurstwaren und Salate in eigener Produktion herstellte.

Dorfrunde: Hittfelder Schulstraße West

In der Hittfelder Schulstraße waren bereits vor 100 Jahren viele Geschäfte angesiedelt. An der südöstlichen Ecke im Einmündungsbereich der Kirchstraße steht ein um 1879 erbaute Fachwerkhaus, in dem ab den 1880er Jahren zunächst der Kaufmann und Kolonialwarenhändler Adolph Nissen sein Geschäft hatte.  In den 1920er Jahren folgte darin eine Konfitüren- und Zigarrenhandlung, später betrieb die Familie Bergeest hier einen Lebensmittelhandel. Ab 1955 zog Feinkost Meyer ein. Danach führte die Familie Lehmbeck darin bis 1989 ihr Lebensmittelgeschäft. Dieses verlor mit dem Bau des ersten SPAR-Marktes in der Schützenstraße in den 1970er Jahren an Bedeutung. In der Folge wurde das Gebäude vielfältig weiter genutzt. So war von 1994 bis 2014 die heute in der Kirchstraße ansässige Buchhandlung Seevetal in den Geschäftsräumen eingemietet. Bei Bauarbeiten im Jahr 1955 wurde auf dem Grundstück ein alter Flachbrunnen entdeckt. In einem Meter Tiefe fand man Holzreste, Steinpackungen und Gefäßscherben, die auf das 13./14. Jahrhundert datiert wurden. Der Fund lässt auf eine Besiedelung am Auslauf des Kirchberges schon im Mittelalter schließen, was die hohe Bedeutung Hittfelds als Kirchspielort unterstreichen mag. 

Ehemals Hotel STADT HAMBURG, neben Scherenberger an der Kirche.

Dorfrunde: Die Kirche

Am heutigen Parkplatz direkt neben der Kirche befand sich früher ein schlichtes Fachwerkhaus mit dem späteren Hofnamen Scherenberger. Es war ursprünglich das erste Pfarrwitwenhaus in Hittfeld. Etwa 1780 wurde es vom Kirchenvorstand an privat verkauft und fortan als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.  Die Kirchenverwaltung erbaute erst im Jahr 1830 einen neuen Witwenwohnsitz am „Neuen Friedhof“, dort, wo jetzt das Haus der Gärtnerei Buschmann in der Lindhorster Straße steht. Georg Bahr war ein späterer Besitzer vom „Scherenberger-Haus”, der aber in den letzten Kriegstagen des Ersten Weltkrieges fiel. Seine Witwe veräußerte das Haus dann an den Kaufmann und Namensgeber Scherenberger, der hier seinen Konfektions- und Lebensmittelhandel bis zum Konkurs etwa 1930 betrieb.  Zwischenzeitlich betrieb hier auch Otto Buschmann ein Blumengeschäft. 

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