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Windmühle Hittfeld



Quelle: "Harburger Anzeigen und Nachrichten" (7.3.2013)

Förderverein

Sie wollen die Hittfelder Mühle retten

Die Hittfelder Windmühle ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes. Doch der 1875 erbauten Mühle droht der Verfall. Der Eigentümer Heinrich Voß sieht sich nicht in der Lage, die Unterhaltungskosten zu finanzieren. Dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten würden sich auf mehr als 100 000 Euro belaufen, sagt der 73-Jährige Mühlenbesitzer. Hinzukommen laufende Kosten wie die Gebäudeversicherung. Das Geld dafür könne er nicht aufbringen, sagt Voß.

Hittfeld, 7.3.2013
Die Rettung des unter Denkmalschutz stehenden Erdholländers, der etwa seit 1890 im Besitz der Familie Voß ist, soll die Gründung eines Fördervereins bringen. Einen Mühlenverein aus der Taufe zu heben, war bereits mehrmals gescheitert, weil es jedes Mal Schwierigkeiten bei der Besetzung der Vorstandsposten gegeben hatte. Doch diesmal sieht es anders aus: "Wir sind sicher, dass es klappen wird. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wird die Gründungsversammlung stattfinden - selbstverständlich in der Mühle", sagt Carmen Schulz. Nach reiflicher Überlegung würde sie jetzt doch selbst als Vereinsvorsitzende zur Verfügung stehen, sagt die 38-jährige Tochter des Mühlenbesitzers. Neben der Hotelfachfrau hat auch der Betreiber der Diskothek Hittfelder Mühle, Kai Meier, seine Mitarbeit im Vorstand des Mühlenvereins angekündigt. Auch er zeigt sich fest davon überzeugt, dass der neue Anlauf zur Vereinsgründung den gewünschten Erfolg bringt: "Die Vereinssatzung ist fix und fertig, und wir haben genügend engagierte Mitstreiter."

"Wir brauchen einen Förderverein, damit wir Zuschüsse für die Sanierung beantragen können", erklärt Müllermeister Voß. Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als Bauern aus der Gegend mit Pferd und Wagen Roggen und Gerste zur Windmühle nach Hittfeld brachten: "Wenn der richtige Wind war, klopfte mein Vater sogar nachts ans Fenster. Dann hieß es: aufstehen, und es wurde gemahlen." Bis 1971 war die Windmühle noch in Betrieb. Dann wurde das Gebäudeensemble zur Diskothek umgenutzt. Heute verpachtet Heinrich Voß die Gebäude an die Betreiber der Diskothek und eines Restaurants.

Hittfelds Ortsbürgermeister Norbert Fraederich (CDU) begrüßt den neuen Anlauf zur Vereinsgründung: "Wenn es diesmal gelingt, wäre das sehr positiv. Schließlich ist die Mühle das Wahrzeichen von Hittfeld." Die bisherigen Versuche seien gescheitert, weil kein geeignete Kandidat bereit war, auch längerfristig die Verantwortung als Vorsitzender zu übernehmen. "Politik und Verwaltung stehen hinter dem Projekt. Das Beispiel unseres Vereins Wassermühle Karoxbostel zeigt, wie es gelingen kann", sagt der Bürgermeister. Bei zwei Mühlenvereinen könne er sich eine Reihe von Synergieeffekten vorstellen. Der erst vor einem Jahr gegründete Mühlenverein Wassermühle Karoxbostel hat bereits mehr als 360 Mitglieder.

Auch Wolfgang Küchenmeister, Leiter der Denkmalschutzbehörde des Landkreises Harburg, setzt auf einen erneuten Anlauf, einen Förderverein für die Hittfelder Mühle zu gründen und verweist auf das positive Beispiel in Karoxbostel. Anders als der Privatmann Voß könnte ein solcher Trägerverein öffentliche Zuschüsse beantragen, dazu Mitgliedsbeiträge und Spenden sammeln. Der Eigentümer sei zwar grundsätzlich verpflichtet, sein Baudenkmal zu erhalten. Doch ein Denkmal dürfe seinen Eigentümer aber auch nicht wirtschaftlich ruinieren. Übrigens: Im Landkreis Harburg gibt es nur noch fünf Windmühlen: in Hittfeld, Dibbersen, Eyendorf, Garlstorf und Kampen.

Carsten Weede

Kommentar

Zwei Mühlen, zwei Vereine - aber ein gemeinsames Ziel

Der Zahn der Zeit nagt an der Hittfelder Windmühle. Mühlenbesitzer Heinrich Voß sagt, dass er allein das Geld für die dringend notwendige Sanierung des Hittfelder Wahrzeichens nicht aufbringen kann. Er weiß, dass Fördermittel und Spenden nur dann fließen, wenn ein gemeinnütziger Verein mit dem Zweck gegründet wird, die Mühle zu erhalten und sie einer öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen. Bedauerlicherweise hat es mit der Vereinsgründung bisher nicht geklappt. Warum eigentlich? Vielleicht waren potenzielle Kandidaten für Führungsposten nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass Müllermeister Voß ihrem Verein wirklich freie Hand bei der Nutzung der Mühle gewähren würde? Klar ist: Ein Förderverein muss die Mühle auch nutzen können. Schließlich treten die Mitglieder an, weil sie das Bauwerk erhalten und mit Leben erfüllen wollen - etwa bei öffentlichen Mahl- und Backtagen, beim Tag des offenen Denkmals oder bei Veranstaltungen zum Deutschen Mühlentag. Dafür braucht es allerdings ein plausibles Nutzungskonzept. Das Beispiel des vor einem Jahr gegründeten Vereins Wassermühle Karoxbostel zeigt, wie es gehen kann. Die Karoxbostler Mühlenretter haben gegenüber den Hittfeldern allerdings den Vorteil, dass sie ein Gelände samt Gebäuden nutzen können, das den Aktivitäten der engagierten Vereinsmitglieder wenige Beschränkungen auferlegt. Mühlenbesitzer Voß ist auch schon Mitglied im Verein Wassermühle Karoxbostel. Wünschenswert wäre, dass schon in naher Zukunft zwei kooperierende Vereine von der Nachbarschaft einer Wind- und einer Wassermühle profitieren können.

Carsten Weede