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Wer hat Lust, Hittfeld zum Blühen zu bringen?



Brigitte Ohliger kümmert sich seit vier Jahren um die Staudenbeete und Blühstreifen im Hittfelder Ortskern. Jetzt sucht sie Mitstreiter, die eine Beetpatenschaft übernehmen wollen.


Quelle: Hamburger Abendblatt, 17.8.2020 Hanna Kastendieck





Sie ist meistens in den Abendstunden unterwegs, wenn das Dorf ruhig wird und die Straßen leer sind. Dann schleppt die zierliche Frau mit den blonden Haaren Kanne um Kanne Wasser durch die Kirchstraße im Zentrum von Hittfeld, wässert Staudenbeete und Blühstreifen, zupft Unkraut und schneidet Triebe zurück. Oder sie schneidet die Rosen vor dem Standesamt, damit die Blüten in den Sommermonaten für romantisches Ambiente bei den Eheschließungen sorgen.


Derzeit ist Brigitte Ohliger fast täglich im Einsatz, um die Beete im Ortskern vor dem Vertrocknen zu bewahren. 80 Stunden im Jahr verbringt die Hittfelderin in den gemeindeeigenen Grünflächen, davon die meisten im Frühling und Sommer. Seit vier Jahren ist sie im Einsatz - und so gut wie immer allein unterwegs. Das will sie ändern. Brigitte Ohliger sucht dringend Verstärkung, damit ihr Dorf auch weiterhin blüht.


„Ich möchte die Aufgabe gern auf mehrere Schultern verteilen“, sagt Brigitte Ohliger. „Schön wäre es, wenn sich weitere Anwohner finden, die Freude daran haben, die Beete und Blumenrabatten am Straßenrand, vor dem Standesamt und der ehemaligen alten Bücherei zu versorgen.“


Ihre Idee:
Bürger, die Spaß am Gestalten und Pflegen eines Blumenbeetes haben, übernehmen eine Patenschaft für ein Stück Straßengrün. „Auf diese Weise verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern“, sagt sie. „Gleichzeitig steigt die Identifikation mit dem Ort.


Mit ihrem Aufruf möchte die ehemalige Mitarbeiterin einer großen Hamburger Klinik und zweifache Großmutter nicht nur dafür sorgen, dass das Ortsbild von Hittfeld weiterhin so attraktiv bleibt, sondern auch ein Stück Gemeinwesen vor Ort fördern. „Es geht mir darum, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen“, sagt sie. „Wenn wir alle zusammen etwas für unser Dorf tun, reicht ein kleiner Beitrag von jedem Einzelnen, um etwas Großartiges zu erreichen.“


Die 68-Jährige will weg von dem Alleinstellungsmerkmal, das sie als „Blumenfee“ von Hittfeld hat. Zum einen, weil sie nur ungern im Mittelpunkt steht und Sorge hat, dass die anderen irgendwann denken könnten „die Ohliger, die tickt ja nicht ganz richtig“. Zum anderen, weil sie findet, dass nach fünf Jahren Einsatz für ein bühendes Hittfeld Zeit für ein neues Ehrenamt ist. Sie könnte sich vorstellen, als „Lese-Omi“ in einer Grundschule aktiv zu werden oder als „Brötchenmutti“ am Gymnasium einzusteigen. „Dafür brauche ich Kapazitäten“, sagt sie.




Unterstützung bei der Suche nach weiteren Mitstreitern in Sachen Beetpflege bekommt Brigitte Ohliger vom Heimatverein Hittfeld und dessen Vorsitzendem Henning Drewes. „Wir sind froh über das Engagement, das dazu beiträgt, dass sich Gäste und Bürger bei uns wohlfühlen“, sagt der 76-Jährige. „Das Engagement ist vorbildlich, aber auf die Dauer zuviel für eine Person.


"Wir brauchen mehr Freiwillige, die bereit sind, Verantwortung für die Gestaltung des Ortskerns zu übernehmen".


Geschäftsinhaber haben ihre Hilfe angeboten


Inzwischen haben auch die Geschäftsinhaber ihre Hilfe angeboten, wässern an heißen Tagen die Beete vor ihren Eingängen. Doch das reicht nicht. „Die Beete müssen auch gepflegt werden, neue Pflanzen eingesetzt und alte entfernt werden“, sagt Henning Drewes, der sich seit elf Jahren im Vorstand des Heimatvereins engagiert. Gegründet wurde dieser 1990 von einer Gruppe engagierter Bürger, deren Ziel es ist, sich für den Erhalt der historischen Substanz im Ort einzusetzen und damit ein Stück Heimat zu bewahren.


Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch Brigitte Ohliger, die seit 1971 in Seevetal zuhause ist. „Der Heimatverein will dazu beitragen, das Ortsbild zu erhalten“, sagt sie. „Die historischen Gebäude sind ein Stück Geschichte, das nicht verschwinden darf. Sie machen den Charme des Dorfes aus. Genauso wie die blühenden Beete.“ Eines davon wurde erst im vergangenen Frühjahr angelegt und befindet sich vor der ehemaligen Bücherei in der Straße „Im Eickhoff“. Mit Unterstützung der ansässigen Pflanzenmärkte und der Initiative „Seevetal summt“, die sich für eine insektenfreundliche Region einsetzt, entstanden hier eine Blühwiese sowie ein Staudenbeet.


Zur gemeinschaftlichen Pflanzaktion im Mai kamen zehn Freiwillige. Dabeigeblieben aber ist keiner von ihnen - außer die Initiatorin selbst.



Ehemalige Bücherei





Brigitte Ohliger glaubt, den Grund dafür zu kennen:


„Viele Bürger denken, die Bepflanzung und Pflege von Beeten im öffentlichen Raum sei Aufgabe der Gemeinde“, sagt sie. „Sie zahlen ihre Steuern und gehen davon aus, dass davon auch der Ortskern verschönert wird.“ Doch dafür habe die Gemeinde zu wenig Personal. „Die Mitarbeiter vom Bauhof haben dafür keine Kapazitäten mehr“.


„Wenn wir nicht selbst aktiv werden, bleiben die Beete unbepflanzt.
Ob Hittfeld weiterhin blüht, entscheiden also wir.“


Wer Brigitte in der Blumenpflege unterstützen möchte, wende sich bitte direkt an sie oder die beiden Vorsitzenden Henning Drewes und Klaus Prigge.


E-Mails:


karl-heinz@ohliger.net


dreweshenning@gmx.de


prigge.klaus@gmx.de